
7 Immer wieder bin ich ergriffen von der Schönheit der rauhen Steinmauern und der Farben, vom Licht und von der Atmosphäre Italiens. Solche Momente sind die Quellen meiner Bilder,wenn ich mich – allein in meinem Atelier oder draußen im Feld – rein von den Farben auf der Pallette und dem Leinen auf der Staffelei inspirieren lasse. Die heiße Sonne auf meinem Hut, die Zikaden, die kurze Fahrt in meinem winzigen alten Fiat – alles spielt mit hinein in meine Bilder. An besonders guten Tagen vergesse ich alles um mich herum und arbeite wie in Trance, schaue, mische,trage Farbe aufs Leinen auf,schaue,schabe Farbe wieder weg, schaue, mische, versuche es immer wieder. Mir kommt es auf die Leuchtkraft der Bilder an, und dafür grundiere ich die Maloberfläche nach althergebrachter italienischer Methode mit einer Lucy MacGillis - „Umbria“ dichten Schicht aus Hasenleim und feinem Kalk. Ich mische meine Farben selbst, aus natürlichen Erdtonpigmenten und Leinöl. Die Objekte meiner Stillleben sind oft Dinge, die für mich einen per- sönlichen Zauber haben: die warmen Feigen, die Vito eben gepflückt hat, die vertrauten Flaschen, die ich vor vielen Jahren einmal malte und die seit- her in meinem Atelier Wache stehen, oder die einfachen Papiertüten vom sizilianischen Markt. Während die historischen Fresken von Piero della Francesca, Giotto und Masaccio mir als Maßstab dienen und mich ständig in künstlerische Demut versetzen, will ich das, was ich sehe, vereinfachen und auf sich gegenseitig zuspielende Farbebenen reduzieren, und so Licht entstehen lassen. Mein Leben hier in Italien ist voller Lebensfreude, und ich hoffe, dass meine Bilder das widerspiegeln.